Gartenpraxis Gartengestaltung Garten Flach-, Herz- und Tiefwurzler richtig verwenden

Flach-, Herz- und Tiefwurzler richtig verwenden

Foto: Breder 
Zierquitten gehören zu den Flachwurzlern, mit ihren schönen Blüten zieren sie den Kleingarten im Frühjahr

Vielleicht möchten Sie in Ihrem Hausgarten etwas verändern, oder Sie haben einen Kleingarten neu gepachtet, und nun geht es darum, ihn nach Ihren Vorstellungen zu gestalten. Was bei der Auswahl und Pflanzung von Gehölzen speziell im Hinblick auf Flach-, Herz- und Tiefwurzler (zur Begriffsklärung siehe Kasten „Was ist was?“) wichtig ist, darüber sprach unsere Redakteurin Christiane Breder mit Wilhelm Spieß, Landesfachberater des Landesverbandes Westfalen und Lippe der Kleingärtner.


Was ist bei der Pflanzung von Flachwurzlern zu beachten?

Grundsätzlich muss bei der Pflanzung von Flachwurzlern, aber auch von Tiefwurzlern die endgültige Wachstumsgröße der Gehölze beachtet werden. So wachsen Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Garten-Forsythie (Forsythia x intermedia) und Gewöhnliche Hasel (Corylus avellana) sehr stark und schnell. Diese drei Arten sollten Sie am Gartenrand, z.B. hinter der Laube, pflanzen, um Beeinträchtigungen des eigenen Nutzgartens, aber auch des Nachbargartens zu vermeiden.

Die Gehölze benötigen Platz, um sich in ihrer natürlichen Breite entwickeln zu können. Eine Haselnuss erreicht eine Höhe von 4 m und auch eine entsprechende Breite, Holunder und Forsythie etwa 3 x 3 m. Das bedeutet, dass ein entsprechender Pflanzabstand gewählt werden muss.

Wie sollte das Pflanzloch aussehen?

Tiefe und Breite des Pflanzloches müssen sich am Wurzelvolumen orientieren. Je verdichteter und nährstoffarmer der Boden ist, desto größer muss das Pflanzloch sein, um verbessertes Pflanzsubstrat einbringen zu können.

Das bedeutet, dass das Pflanzloch für einen Flachwurzler bei ungünstigen Bodenverhältnissen durchaus 100 x 100 x 100 cm groß sein sollte. Die gleiche Pflanze kommt bei günstigen Bodenverhältnissen mit 70 x 70 x 50 cm aus.

Wie vertragen Flachwurzler Abdeckungen mit Mulch oder Kies?

Eine Mulchabdeckung wirkt sich günstig auf den Wasserhaushalt aus und ist daher zu befürworten. Eine Abdeckung mit Kies sollte aus statischen Gründen (Verdichtung des Wurzelraumes) unterbleiben.

Es heißt, dass Flachwurzler in Trockenperioden eher unter Wasserstress leiden als Tiefwurzler. Wie sieht das richtige Bewässerungsmanagement für Flachwurzler aus?

Die Bewässerung ist abhängig von der Bodenqualität. Die Wasservorräte in Sandböden sind früher erschöpft als in Lössböden. Flachwurzler benötigen das Wasser in der oberen Bodenschicht bis zu einer Tiefe von 50 cm. Daher muss eher gegossen werden als bei Tief- oder Herzwurzlern.

Foto: Breder 
Sorten vom Echten Roseneibisch sind Herzwurzler


Es empfiehlt sich, einen Gießrand von ca. 5 cm Höhe anzulegen und bei länger anhaltender Trockenheit nach Bedarf alle drei bis sieben Tage zu gießen. Auch eine Mulchschicht zur Wasserhaltung ist empfehlenswert. Der höchste Wasserbedarf liegt zur Zeit des Austriebs und zur Zeit des Johannistriebs (Ende Juni).

Sollte man die Gehölze düngen?

Eine Düngung der Gehölze sollte nur bei nachgewiesenem Nährstoffmangel gezielt erfolgen. Beim Mulchen mit Rasenschnitt, Laub oder Kompost kann auf eine zusätzliche Düngung verzichtet werden.

Was ist bei der Unterpflanzung von Flachwurzlern zu beachten?

Gehölze und Unterpflanzungen (Stauden, Zwiebelgewächse, Kräu-ter) gehören wie in der freien Natur zusammen. Zwischen dem Gehölz und der Unterpflanzung ergeben sich Wechselbeziehungen.

Wenn eine Unterpflanzung gewünscht wird, muss sie zeitgleich mit der Gehölzpflanzung erfolgen, denn nur dann können sich beide Teile natürlich entwickeln und eine Wurzelkonkurrenz wird vermieden. Eine nachträgliche Pflanzung führt zu Beschädigungen im Wurzelraum des Gehölzes bzw. lässt nicht genügend Wurzelraum für die dazukommenden Pflanzen.

Grundsätzlich sollten Sie auf jegliche Art der Bodenbearbeitung unter Flachwurzlern verzichten, weil dabei Beschädigungen und damit Wurzelaustriebe nicht zu vermeiden sind.

Welche Pflanzen eignen sich für eine Unterpflanzung von Flachwurzlern?

Foto: Breder 
Das Großblättrige Kaukasus-Vergissmeinnicht lässt sich gut zur Unterpflanzung von Flachwurzlern verwenden

Für Flachwurzler sollten Sie Unterpflanzungen aussuchen, die keinen dichten Wurzelfilz bilden, sonst kann es zu Problemen bei der Wasserversorgung des Flachwurzlers kommen. Wurzelfilz bildende Pflanzen wie Dickmännchen (Pachysandra) oder Kissen-Astern (Aster dumosus), auch Polster-Astern genannt, verhindern, dass das Wasser in den Wurzelbereich des Flachwurzlers gelangt, dessen Wasserversorgung in den oberen 50 cm erfolgt.

(Anmerkung der Redaktion: von Herrn Spieß für die Unterpflanzung von Flachwurzlern empfohlene naturnahe Bodendecker finden Sie in Tabelle 3).

Was ist bei der Pflanzung von Herz- oder Tiefwurzlern zu beachten?

Foto: Breder 
Hainbuchen sind Herzwurzler und eignen sich besonders für Hecken

Für Herz- und Tiefwurzler gelten die gleichen Pflanzbedingungen. Die Mindesttiefe des Pflanzlo-ches sollte jedoch bei 100 cm liegen. Eine Unterpflanzung mit Stauden, Kräutern oder Zwiebelgewächsen ist hier unproblematisch.

Wie müssen Herz- und Tiefwurzler bewässert werden?

Für den Wasserhaushalt gelten die gleichen Regeln wie für die Flachwurzler. Tief- oder Herzwurzler gelangen mit ihrem Wurzelwerk jedoch auch in tiefere Bodenschichten und erreichen somit auch zusätzliche Wasserhorizonte, sodass ein Trockenstress später als bei flach wurzelnden Gehölzen auftritt. Unter Umständen können Gehölze bei länger anhaltender Trockenheit bis zu 70 % ihrer Feinwurzeln verlieren und somit nicht mehr genügend Wasser und Nährstoffe aufnehmen.

Sollte man sich grundsätzlich eher für Flachwurzler oder eher für Herz- und Tiefwurzler entscheiden?

Die Entscheidung für Herz-, Tief- oder Flachwurzler ist abhängig von der Situation im Kleingarten. Bei entsprechender Pflege kann man jede Art verwenden.

Was ist was?

Bei Flachwurzlern breiten sich die Wurzeln waagerecht unter der Bodenoberfläche aus. Die Wurzeln von Herzwurzlern verlaufen zunächst in einigem Abstand zur Erdoberfläche waagerecht und senken sich dann ab. Dadurch bilden sie im Querschnitt gesehen eine Herzform. Bei den Tiefwurzlern wachsen eine oder mehrere Hauptwurzeln senkrecht nach unten.


Tabelle 1: Für den Kleingarten geeignete Flachwurzler
Botanischer NameDeutscher Name
Amelanchier ovalisGewöhnliche ­Felsenbirne
Berberis vulgarisGewöhnliche Berberitze
Chaenomeles spec.Scheinquitten-Arten und -Hybriden
Forsythia x intermediaGarten-Forsythie
Hippophae rhamnoidesGewöhnlicher Sanddorn
Magnolia spec.Magnolien-Arten und -Sorten
Rhododendron spec.Rhododendron-Arten und -Sorten
Anmerkung: Auf den Essigbaum (Rhus typhina), der auf dem Titelbild dieser Ausgabe abgebildet ist, sollten Sie im Kleingarten wegen der Größe, vor allem aber wegen der Wurzelausläufer, verzichten. Er eignet sich besser für das Rahmengrün in der Kleingartenanlage.

Tabelle 2: Für den Kleingarten geeignete Herz- und Tiefwurzler
Botanischer NameDeutscher Name
Carpinus betulusGewöhnliche Hainbuche (vor allem als Hecke)
Hibiscus syriacusEchter Roseneibisch in Sorten
Ilex aquifoliumGewöhnliche Stechpalme
Prunus laurocerasusKirschlorbeer in Sorten
Rosa spec.Beet- und Edelrosen, Strauchrosen, Wildrosen
Syringa spec.Flieder-Arten und -Sorten


Tabelle 3: Für die Unterpflanzung von Flachwurzlern geeignete naturnahe Bodendecker
Botanischer NameDeutscher Name
Alyssum spec.Steinkraut-Arten
Anemone spec.Anemone-Arten
Artemisia schmidtiana ‘Nana’Zwerg-Silberraute, Zwerg-Wermut
Asarum spec.Haselwurz-Arten
Brunnera macrophyllaGroßblättriges Kaukasus-Vergissmeinnicht
Eriophyllum lanatumWollblatt, auch Wüsten-Goldaster genannt
Geranium spec.Storschschnabel-Arten
Hepatica spec.Leberblümchen-Arten
Hypericum spec.Johanniskraut-Arten
Tripleurospermum caucasicum (früher: Matricaria caucasica)Teppichkamille
Tiarella spec.Schaumblüten-Arten
Waldsteinia spec.Golderdbeeren-Arten


Stand:01.09.2007


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