Gartenpraxis Gartentiere Insekten Ein räuberischer Sänger: das Große Grüne Heupferd

Ein räuberischer Sänger: das Große Grüne Heupferd


Welcher Gärtner macht in seinem Garten nicht gerne Be-
o­bachtungen wie die Folgende: An einem frei stehenden Zweig ist ein Grünes Heupferd (Tettigonia viri­dis­sima) emporgeklettert, ein Männchen, hübsch anzusehen vor der untergehenden Sonne. Es will zwei­erlei nutzen, nämlich die weiter oben noch vorhandene Wärme und den Aussichtspunkt. So heimlich es auch sonst während des Tages tut, fühlt es sich jetzt ungestört und beginnt sein schrilles Zirpkonzert, um Weibchen anzulocken.

Singen nur einen Sommer
Befinden sich viele Männchen im Garten – was immer ein Zeichen für ein naturnahes Biotop ist –, können ihre „Gesänge“ für dort sitzende Menschen ziemlich störend wirken. Doch bald, wenn mit der zunehmenden Dunkelheit Kühle eintritt, schweigen die Sänger und ziehen sich in die unteren Partien der Ge­büsche zurück.

Im Sommer paaren sich die Heu­pferde. Anschließend legen die Weibchen, die einen langen Legestachel besitzen, ihre Eier ins Erd­reich ab.

Aus ihnen schlüpfen, wenn alles klappt, im nächsten Frühjahr die überaus zarten, grünlichen Jungen. Nach fünf Häutungen im Laufe des Sommers sind sie ihrerseits erwachsen und schreiten zur Fortpflanzung – der Kreis hat sich geschlossen. Mit dem ersten Frost sterben alle Alttiere ab.

Nützliche Räuber
Das Große Grüne Heupferd gehört wie alle Heuschrecken mit langen Fühlern zu den „Laubheuschrecken“, im Gegensatz dazu sind Feldheuschrecken mit kurzen Fühlern ausgestattet. Im Garten ist das Grüne Heupferd nützlich, weil es räuberisch lebt.

Andere Insekten, darunter viele Schädlinge, werden durch raschen Zusprung gepackt, wenn sie sich nähern. Sogleich führt das Heupferd die Beute mit den Vorderbeinen den kräftigen Mundwerk- zeugen zu, die auch uns durchaus schmerzhaft zwacken können.

Sonst springt das Große Grüne Heupferd im Allgemeinen eher selten, trotz der starken Hinterbei­ne. Meist klettert es gemächlich und lauert auf Beute.

Die langen, den Körper weit über­ragenden Flügel befähigen die Tiere zu ausgedehnten, oft vom Wind begünstigten Flügen. Für die Männchen haben sie noch eine zweite Bedeutung: Mit ihnen erzeugen sie durch eine Schrillader und Schrillleiste die hellen, weithin schallenden erwähnten Zirpereien.

Diese Heuschreckenart, deren gro­ße Facettenaugen alles genau wahrnehmen, kennt einen raffinierten Trick, sich zu tarnen: Nähert man sich einem Tier, versucht es stets, zwischen den Störenfried und sich eine Deckung zu bringen, meist den Stängel der Pflanze.

Walther Rohdich


Stand:01.04.2010


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