Ein Springinsfeld im Garten: das Grüne Heupferd
![]() Foto: Rohdich Sonnenbad an der Salatgurke. Erst das Foto hebt mit seiner Schärfeverteilung die sonst perfekte Tarnung von "Grün in Grün" auf. |
Es weiß sich zu tarnen, zu verstecken, tut ziemlich heimlich, aber das Männchen ist sanges-, genauer gesagt, zirpfreudig und verrät damit die Anwesenheit der ganzen Familie im Garten. Dem Gärtner nützlich ist es außerdem: das Grüne Heupferd.
Sein wissenschaftlicher Name Tettigonia viridissima bedeutet soviel wie „sehr grüne Zikade“ und bezeichnet damit die Zugehörigkeit und Einordnung ins Insektenreich. Wer von uns Gärtnern ein paar dieser munteren Burschen im Garten aufzuweisen hat, sollte sich glücklich schätzen: Denn die große Aussterbewelle, die über unsere Natur geraten ist, hat auch alle Heuschrecken nicht verschont.
Laute Zirpkonzerte
Ich erinnere mich an meine Jugendzeit um 1939, als ich Gärten kannte, aus denen allabendlich ab Sommer gewaltige, weithin schallende Zirpkonzerte erklangen, und zwar derart, dass Anlieger nervös wurden und meuterten. Und eine in einem Hausgarten vorgenommene grobe Zählung der Sänger ergab 50 Stück von ihnen – die zirpenden Männchen freilich nur, sodass der Gesamtbestand auf 100 Stück geschätzt werden konnte; zehn auf jeden Quadratmeter das Gartens. Da wird manches Schadinsekt vertilgt worden sein.
Wie viele Tiere, die wir heutzutage in unseren Gärten antreffen, ist auch das Grüne Heupferd von der freien Natur her eingewandert. Sein Eldorado waren früher die Korn-, Kartoffel- und Gemüsefelder, aber seitdem diese intensiv wie nie zuvor bewirtschaftet werden, sind sie dort immer seltener geworden – mit ihnen ihre weithin hörbaren Konzertserenaden an schönen Sommer- und Frühherbstabenden. Geben wir ihnen in unseren Gärten eine Heimstatt!

Foto: Rohdich
"Der große Sprung". Sprünge werden, wenn nötig, mit einigen raschen Flügelschlägen unterstützt, die das Tier über weite Strecken tragen können.
Gefräßiger Fleischfresser
Da das Grüne Heupferd auch ein Fleischfresser ist, macht es Jagd auf allerlei Kleininsekten, die seinen Lebensraum teilen: Raupen, Fliegen, Motten, Blattläuse. Bewegliche unter ihnen werden im Sprung erhascht und mit den kräftigen Beißwerkzeugen, die auch unsere Finger recht gut zwacken können, zerstückelt und aufgefressen. Daneben gibt es auch Vegetarisches, das aber nie Bedeutung als Schaden erlangt.
Grün in Grün – das ist Tarnung in Vollendung, und müsste das Männchen sich nicht zwecks Anlockung eines Weibchens bemerkbar machen, so würden beide oft genug vom Gärtner gar nicht wahrgenommen. Denn wenn sich im Spätherbst Grün in Gelb und Braun verfärbt, dann sind die erwachsenen Insekten schon gestorben und den Weg ewigen Recyclings gegangen. Aber nicht ohne vorher, versteht sich, für Nachfolger gesorgt zu haben.

Foto: Rohdich
Das Weibchen hat seinen Legestachel ins Erdreich gebohrt und legt die Eier ab. Sie überwintern dort, die Larven steigen im Frühling ins Freie.
Das Weibchen ist vom Männchen am langen Legestachel zu unterscheiden, der wie ein Spieß den weichen Unterleib verlängert. Mit dieser Legeröhre legt es – wie auf dem Bild gut zu sehen ist – die Eier so tief wie möglich ins Erdreich ab. Sofern alles gut geht, überdauern sie so den Winter.
Im Frühjahr müssen sich die ausgeschlüpften Larven emporarbeiten, um ihr Räuberleben zu beginnen. Wenn sie sich, bei fleißigem Fressen, fünfmal gehäutet haben, sind sie erwachsen, und schon ist auch wieder Sommer geworden.
Taktik gegen Fressfeinde
Natürlich haben auch diese Tiere ihre Fressfeinde, im Garten weniger als in der freien Natur. Aber sie sind sehr aufmerksam und wachsam, sehen gut und versuchen stets, irgendetwas zwischen einen möglichen Feind oder Störer und sich selbst zu bringen: Hocken sie also etwa an einem Ast oder starken Halm, dann „rutschen“ sie in der Art und Weise um ihn herum, wie auch der Störer ihn umrundet. Das habe ich an Hunderten von Tieren beobachtet.
Ist das Grüne Heupferd dem Gärtner nützlich? Im Großen und Ganzen ja, denn was sich an Fliegen, Raupen und Motten im Gartengesträuch herumtreibt, sieht der Gärtner meist ungern.
Wenn sich ein Grünes Heupferd über eine Blattlauskolonie hermacht, dann haust es dort barbarisch und dezimiert nachhaltig; sein Appetit hat erheblich mehr Kapazität als der eines Marienkäfers, des anderen „Blattlausräubers“. Fazit: Er ist ein Freund des Gärtners, zudem ein hübscher Bursche und lehrreich und interessant zu beobachten.
Walther Rohdich
Stand:01.09.2004







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