Interview: Wie geht es unseren Bienenvölkern?

Foto: Breder
Die Bestäubungsleistung von Bienen ist für den Menschen von enormer Bedeutung
Dazu befragte die Redaktion vom „Gartenfreund“ den Biologen Dr. Werner von der Ohe, Leiter des Instituts für Bienenkunde Celle des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).
In Frühjahr 2007 wurde in den Medien über ein massenhaftes Bienensterben in den USA berichtet. Wie sieht die Situation der Bienenvölker jetzt, im Sommer 2007, in Deutschland aus?
Bis auf einige Ausnahmen waren die deutschen Imker mit der Auswinterung ihrer Bienenvölker zufrieden. Eine Auswinterungsverlustrate von 10 % wird als normal betrachtet. Im Frühjahr 2003 lag die Verlustrate in Deutschland bei ca. 28 %. Im Frühjahr 2007 waren es bundesweit unter 10 %.
Die in der Presse zitierten Aussagen über 25 % Verlust in Deutschland nach dem Winter 2006/2007 sind nicht nachvollziehbar. Richtig ist, dass es im Frühjahr 2007 zu erheblichen Verlusten an Bienenvölkern in den USA gekommen ist (Schätzung: 25–30 %). Die Beschreibungen decken sich mit den Verlusten in Deutschland nach dem Winter 2002/2003. Die Symptome in den USA sind ebenfalls relativ ähnlich denen in Deutschland vor vier Jahren.
Welches sind die Hauptgefährdungsursachen für Bienen in Deutschland?
Wie die Verluste in Deutschland 2002/2003 lassen sich auch die Verluste in den USA 2006/2007 nicht monokausal erklären. Landesweite Verluste sind multifaktoriellen Ursprungs. Man kann ein ungünstiges Zusammentreffen von mehreren Stressfaktoren vermuten wie Krankheiten, insbesondere Varroose inkl. Virosen als Sekundärerkrankungen, mangelhafte Wirksamkeit von Varroaziden aufgrund von Resistenzen, ungünstige Ernährungssituation insbesondere Pollen betreffend, ungünstige Populationsentwicklung im Sommer, Managementprobleme insbesondere in den USA bei der Wanderung von Bienenvölkern. Ob eventuell auch Pflanzenschutzmittel eine Rolle spielen, wird diskutiert.
Der in den Medien oft hergestellte Zusammenhang mit gentechnisch verändertem Pollen ist äußerst spekulativ. Bisherige Untersuchungen haben keine Auswirkung von GVO-Mais auf die Bienen gezeigt (GVO = gentechnisch veränderte Organismen, Anmerkung der Redaktion). Es ist allerdings ratsam, neue GVO-Konstrukte, die Auswirkungen auf Bienen und Bienenlarven haben könnten, vor der Freisetzung auf Bienengefährlichkeit zu testen.
Wichtig sind für Bienenvölker möglichst durchgehende gute Angebote von Bienennährpflanzen (Nektar und Pollen). Die Ernährung hat erheblichen Einfluss auf die „Robustheit“ der Bienenvölker. Zudem wirkt sich eine hohe Biodiversität von Blütenpflanzen positiv auf die Bienenvölker aus.
Gibt es noch genügend Imker in Deutschland?
Bedauerlicherweise sind bundesweit die Zahlen der Freizeitimker rückläufig. Es wird von Imkerverbänden beklagt, dass die Imkerschaft überaltert und Imkernachwuchs nur sehr schwer zu bekommen ist.
Unterstützung bei der Nachwuchsarbeit können Imkervereine durch das LAVES Institut für Bienenkunde Celle erhalten.
Gibt es in Deutschland einen Trend zur „Industrialisierung“ von Bienenvölkern, wie es in den USA bereits praktiziert wird? Wenn ja, welche Probleme sind damit verbunden?
In Deutschland ist eine Zunahme an Berufsimkereien und eine Größenzunahme (gemessen an der Anzahl der Bienenvölker) zu verzeichnen, allerdings sind diese Berufsimkereien weit von den Betriebsgrößen in den USA entfernt. Wir propagieren die gute imkerliche Praxis, deren Ziel die Unterstützung der Bienengesundheit bedeutet. In Deutschland wird sehr viel Wert auf die gute imkerliche Praxis gelegt, die eine relativ intensive Betreuung der Bienenvölker bedeutet. In den USA sind die großen Imkereien von einer sehr extensiven Betriebsweise geprägt.
Stand:01.08.2007






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