Gartenpraxis Gartentiere Vögel Wo sind die Spatzen geblieben?

Wo sind die Spatzen geblieben?


Foto: NABU/Siegel 
Im Jahr 2002 hat der Naturschutzbund Deutschland den Haussperling zum �Vogel des Jahres� ausgerufen, um darauf aufmerksam zu machen, dass ihm u.a. sanierte Gebäude ohne Nischen für Brutplätze und ein verringertes Nahrungsangebot das Leben schwer machen.


Folgende Frage hat ein Gartenfreund aus Aachen:

Seit fast 40 Jahren betätige ich mich als Kleingärtner. Im Winter füttere ich die Vögel regelmäßig. Seit einigen Jahren werden unsere gefiederten Helfer immer weniger. Elstern, Rabenkrähen und Eichelhäher nehmen überhand und dezimieren die Vögel. Können Sie mir einen Vorschlag machen, wie man das ändern kann?

Unser Autor Günther Huber erklärt das Problem folgendermaßen:

Das verstärkte Auftreten der verschiedenen Rabenvögel (Els­tern, Rabenkrä­hen, Eichelhä­her) hängt vor allem mit einer veränderten Gesetzeslage zusammen, die diese Vögel unter Schutz gestellt hat. Dazu kommt noch eine Förderung ihres Vorkommens durch das Verhalten einiger Menschen, die Nahrungsmittelreste offen in der Landschaft entsorgen und aus falsch verstandener Tierliebe Enten und andere frei lebende Tiere mit Futter versorgen und dadurch auch den Rabenvögeln Futter anbieten.

Die geordneten Deponien und die wilden Müllkippen sind für Raben­vögel, Möwen und andere Vogelarten gedeckte Tische, weil in den Ab­fällen beträchtliche Reste von Nah­rungs- und Futtermitteln vorhanden sind. Diese über das ganze Land verteilten Futterquellen sorgen ebenfalls für die Verbreitung und Zunahme der o.g. Rabenvögel.

In Anbetracht der Tatsache, dass die durch Rabenvögel verursachten Schäden immer größer werden, sind in einigen Bundesländern die Gesetze geändert worden, sodass einige der schädigenden Vogelarten zu bestimmten Zeiten durch die Jagdpächter bzw. durch andere, zur Jagd befugte Personen abgeschossen werden können.

Um eine Verringerung des Bestandes schädigender Rabenvögel zu erreichen, ist es erforderlich, mit der Unteren Jagdbe­hörde und dem Jagdpächter Kontakt aufzunehmen. Dabei ist zu überlegen, ob die Angelegenheit nicht wirkungsvoller vom Vorstand Ihres Kleingärtnervereins (Kreisverband, Landesverband) mit der Behörde verhandelt wird.


Foto: Roßbeck 
Auch wenn sich Vögel, wie diese Meise hier, über eine Fütterung im Winter freuen, sollten Sie sie im Winter nur bei einer geschlossenen Schneedecke und bei Vereisung von Pflanzen und Boden füttern


Zum Thema Vogelfütterung folgende Hinweise: Aus guten Gründen des Tierschutzes sollen Vögel im Winter nicht regelmäßig, sondern nur bei einer geschlossenen Schneedecke und bei Vereisung ­(Eisauflage auf Gehölzen, anderen Pflanzen und Boden) gefüttert werden, denn unsere heimischen Vögel sind von der Natur so ausgestattet, dass sie unsere Winter gut überleben.

Dass der Bestand an Spatzen geringer geworden ist, hängt we­niger mit den Rabenvögeln, als vielmehr mit der Zersiedelung der Landschaft zusammen (Häuser, befes­tigte Wege, Straßen, Plätze) sowie einer glatten, geschlossenen Bau­weise, die keine Rast- und Schlupf­löcher zulässt. Auch Kirchtürme scheiden als Brutplätze aus, weil sie mit dünnem Maschendraht tauben- und damit auch spatzensicher gemacht wurden, um die Verunrei­nigung durch Vogelkot zu verhindern. Auch die veränderte Wirtschaftsweise der Landwirtschaft hat zum Rückgang des Spatzenbestandes beigetragen.



Stand:01.09.2004


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