Gartenpraxis Gut zu wissen Naturkunde Als Schädling gehasst - als Delikatesse geschätzt

Als Schädling gehasst - als Delikatesse geschätzt: Schnecke ist nicht gleich Schnecke


Foto: Wimmer 
Die Weinbergschnecke steht in Deutschland unter Naturschutz

Allein das Wort „Schnecke“ treibt vielen Gartenfreunden die Zornesröte ins Gesicht. Kein Wunder, werden doch oftmals die schönsten Blumen und leckersten Salate von den Tieren heimgesucht.

Aber Schnecke ist nicht gleich Schnecke, und nicht jede verdient es, bekämpft zu werden – zumal die Tiere eine wichtige Funktion im Naturhaushalt einnehmen. Sie zersetzen z.B. Pflanzenreste und tragen damit zur Humusbildung bei. Und außerdem gibt es da noch eine Delikatesse, die so mancher Gourmet sicher nicht missen will ...

Feuchtigkeit und frisches Grün
Unsere Landschnecken gehören zum Stamm der Weichtiere (Mollusken), zu denen auch die Muscheln und Tintenfische gehören. Landschne­cken sind sehr empfindlich gegen Trockenheit: Sie haben eine durchlässige Haut und be­nö­tigen ständig Feuchtigkeit, die sie über die Haut oder die Nahrung aufnehmen. Gehäuseschne­cken können sich bei tro­ckener oder kalter Witterung in ihre Häuser zurückziehen, Nacktschne­cken dagegen brauchen feuchte Unterschlupfmöglichkeiten, wie z.B. Erdritzen oder große Blätter.

Zum Speiseplan der Tiere gehören verwesende Pflanzenreste, Früchte, Pilze, Flechten, Aas und Kot. Doch leider verzehren sie auch gerne frische Pflanzen. Mit Vorliebe machen sie sich z.B. über Sämlinge und Jung­pflanzen her.

Eine „schleimige“ Angelegenheit
Der Schleim, den die Schnecken ab­sondern, dient hauptsächlich der Fortbewegung. Er bildet eine Schutz­schicht zwischen dem Untergrund und dem Körper, sodass die Tiere selbst harte und spitze Gegenstände überwinden können. Ist der Untergrund allerdings sehr trocken und saugfähig, stellt er ein fast unüberwindliches Hindernis dar. Daher besteht ein „altes Hausmittel“ gegen die Tiere darin, Kalk, Sägemehl oder Sand um die zu schützenden Pflanzen zu streuen.

Schnecken sind Zwitter, d.h. sie be­sitzen sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Zur Vermehrung benötigen sie dennoch einen Partner, um sich gegenseitig zu begatten.

Bunte Artenvielfalt
 
Foto: Wimmer 
Der Tigerschnegel war das "Weichtier des Jahres 2005"

Zugegeben, die Spanische Weg­schne­cke (Arion lusitanicus) als wahrscheinlich meist gehasstes Tier im Garten, hätte es sicher nicht auf die Titelseite vom „Gartenfreund“ geschafft. Wohl aber die Bänderschne­cke (Cepaea) mit ihrem schön gebän­derten Häuschen. Zwar frisst auch sie an den Pflanzen im Garten, die verursachten Schäden halten sich jedoch in Grenzen.

Und auch der Weinbergschnecke (Helix pomatia) sind viele Menschen wohl gesonnen, findet sie sich doch auf den Speisekarten gehobener Res­taurants wieder. Außerdem ist sie sehr nützlich, da sie die Gelege von Nacktschnecken verzehrt. In Deutschland steht sie mittlerweile unter Naturschutz.

Und dann gibt es da z.B. noch den Tigerschnegel (Limax maximus), der seinen Namen seiner auffälligen Zeichnung verdankt. Er erhielt im vergangenen Jahr den Titel „Weichtier des Jahres“.

Weltweit gibt es über 100.000 Schne­ckenarten. In Deutschland leben 228 Landschneckenarten, davon sind inzwischen 133 Arten gefährdet. Grund sind die oftmals durch den Menschen verursachten Lebensraumveränderungen. Übrigens: Es sind nur etwa zwölf (!) Landschneckenarten, die dem Gärtner das Leben schwer machen.

Die wichtigsten Übeltäter
Foto: Wimmer 
Die Spanische Wegschnecke richtet große Schäden im Garten an

Hauptübeltäter ist die o.g. Spanische Wegschnecke. Ihre Heimat ist Südwesteuropa. Mitte der 60er Jahre gelangte sie über Pflanzentrans­porte nach Deutschland. Seitdem treibt sie bei uns ihr Unwesen und verdrängt sogar unsere heimischen Arten.
Nahe mit ihr verwandt, doch bei uns beheimatet, sind die Großen Weg­schnecken (Arion ater und Arion rufus). Sie werden bis zu 18 cm groß und richten ebenfalls Schäden im Garten an. Wesentlich kleiner bleibt dagegen die Garten-Wegschnecke (Arion hortensis). Sie wird nur 4 cm groß, und dementsprechend ist ihr Appetit auch geringer. Ein weiterer Schädling bei uns ist die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum).

Bekämpfungsmethoden
Um der schädlichen Schnecken Herr zu werden, gibt es vielfältige, z.T. martialische Möglichkeiten: vom Einsatz der Bierfalle über das Zerschneiden oder Zertreten der Tiere bis hin zum Überbrühen mit hei­ßem Wasser ... Aber der Gärtner kann auch vorbeugende Maßnahmen ergreifen, z.B. natürlichen Feinden einen Platz im Garten bieten, lieber morgens wässern als abends oder einen Schneckenzaun ziehen. Mehr Infos dazu finden Sie u.a. in dem Buch „111 Tipps gegen Schnecken“ (siehe Literaturtipp) und im Internet unter www.nabu.de
Christiane Breder

Literaturtipp
Sulzberger, Robert: „111 Tipps gegen Schnecken“. 96 Seiten. 45 Farbfotos. Preis 5,– Euro. BLV Buchverlag, München. ISBN 3-405-16917-8.
Das Buch informiert über Methoden, Schneckeninvasionen zu bekämpfen bzw. im Voraus zu verhindern. Der Autor nennt z.B. Pflanzen, die den Schne­cken nicht schmecken. Weiterhin geht es um Schneckenzäune und Ködermittel sowie eine schneckenbehindernde Bodenbearbeitung. Auch die Problematik der Schneckengifte wird behandelt.








Stand:01.06.2006


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