Gartenpraxis Gut zu wissen Naturkunde Bunt gemischt – Färbepflanzen

Bunt gemischt – Färbepflanzen

 
Foto: Roßbeck 
Mit Johanniskraut können Sie gelb-grün färben
Vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurden in deutschen Landen großflächig Färbepflanzen angebaut. Doch als im 19. Jahrhundert die so genannten Anilinfarben in den Handel kamen, war es aus mit ihrer Exklusivität.

Mit den Farben ihrer Blüten hat die Färbewirkung von Pflanzen in aller Regel nichts gemein. Auch sind (anders als bei der synthetischen Konkurrenz) teils komplizierte Verfahrenstechniken sowie die genaue Kenntnis überlieferter Rezepturen mit Beigaben von Alaun, Natron, Hydrosulfit, Kupfersulfat, Weinstein oder Pottasche vonnöten, um leuchtend schöne Naturfarben an Wollfäden oder textile Gewebe zu bringen.

Ausnahmsweise einfach funktioniert nur das Färben von Ostereiern mit Zwiebelschalen (die äußeren sind am ergiebigsten), wobei der Kalk in der Eierschale die Rolle der fast immer notwendigen Beize übernimmt.

Indigo: nur mit Sauerstoff blau

Nehmen wir als weiteres Beispiel das seit Jahrtausenden bekannte Indigoblau. Was nämlich aus dem Indigofärbebad heraus kommt, sieht überhaupt noch nicht blau aus. Erst in Verbindung mit Sauerstoff (Oxidation) entsteht im Verlaufe etlicher Stunden aus Gelb über Grün das berühmte strahlende Blau. (Daher rührt der „Blauer Montag", auf den die Indigofärbemeister zumeist das notwendige Luftbad legten – und sich selbst, so lange es andauerte, auf die faule Haut.)

Asperula tinctoria, Genista tinctoria, Serratula tinctoria, richtig hübsch klingen die lateinischen Namensvarianten nicht nur von Färber-Meister, Färber-Ginster und Färber-Scharte, deren volkstümliche Bezeichnungen gleichfalls auf ihre ganz spezielle Verwertbarkeit anspielen.

Gelb und Rot

Zu den Klassikern unter den Färbepflanzen gehören Färber-Wau (Reseda luteola), Färber-Krapp (Rubia tinctorum) und Färber-Waid (Isatis tinctoria). Luteolin, aus dem Kraut des heutzutage an Wegrändern, Bahndämmen oder gar auf Autobahnmittelstreifen wachsenden Resedagewächses Färber-Wau gewonnen, führt vornehmlich bei Wolle und Seide zu licht- und seifenechten Gelbabstufungen, weshalb der Wau zudem Gilbkraut heißt.

In den Wurzeln des Krapp wiederum, einem Rötegewächs – „nomen est omen" auch hier – steckt das Basisprodukt zur Herstellung von Alizarin und mit diesem die Möglichkeit, allerlei Rotschattierungen bis hin zu Violett und Bordeaux zu produzieren. Die organische Verbindung Alizarin ist im Übrigen auch in den Färbepflanzen Waldmeister und Laubkraut enthalten.

In früherer Zeit wurde das Rot vor allem südeuropäischer Weine durch Zugabe eines aus einer Stockrosenart gewonnenen Pulvers intensiviert. Auch Kokosfasern färben rot, eignen sich jedoch nicht für Lebensmittel. In der Goldrute steckt, unüberhörbar, ein kräftiges Gelb, ebenso in Heidelbeerstauden. Messinggelb steuert der Spinat und Bronzegelb der Sauerampfer bei.

Foto: Roßbeck 
Ebenfalls zum Gelblich-Grünen tendiert die Färbekraft der Großen Brennnessel

Blau und Schwarz

Wer anstelle der Verwendung von Indigoblau mit Hilfe eines einheimischen nachwachsenden Lieferanten Blaufärberei betreiben will, greift auf die Blattrosette des zweijährigen Kreuzblütlers Färber-Waid zurück. Überfärbt man dessen Blau mit einem starken Absud aus Walnussschalen, kommt tiefes Schwarz heraus. Färbetechnisch Wirksames ist beim Walnussbaum auch in Wurzeln, Rinde, Blättern und den grünen Fruchtschalen vorhanden.

Orange

Beim Färben mit den Blütennarben des Importartikels Echter Safran (Crocus sativus) werden je Kilo Färbegut bis zu zweihunderttausend (!) Stück benötigt. Eine extrem teure Angelegenheit. Darum wurde der Echte Safran hierzulande gern durch den Falschen Safran (Carthamus tinctorius), auch Saflor oder Färber-Distel genannt, ersetzt. Hier stecken die Farbstoffe Carthamin und Neocarthamin tatsächlich einmal in den leuchtend orangefarbenen Blütenköpfen. Orange kommt auch aus Maiglöckchenblättern, Sonnenblumen, Studentenblumen sowie Schöllkraut.

Grün, Braun und Grau

Zum Gelblich-Grünlichen tendiert die Färbekraft der Großen Brennnessel. Deren gesamtes frisches Kraut kommt dabei zum Einsatz. Mit Espenlaub, Schilfblüten, Rainfarn- und Johanniskraut sind farblich ähnliche Ergebnisse zu erzielen. Und mit grünem und auch schwarzem Tee.

Vom Gelben ins Olivgrüne changieren mit gemahlenen, gekochten und gesiebten Kaffeebohnen eingefärbte Fasern und Stoffe. Reines Grün kann unter anderem von Rosskastanien- und Brombeerblättern sowie Eibischkraut stammen. Vielseitig färben Heidekraut und das Kraut von Karotten; beider Spektrum reicht über Beige, Sonnengelb, Ocker und Altrosé bis hin zu Braun und Grau.

Mehr als hundert Färbepflanzen sind in einem einzigen Handbuch zur Pflanzenfärberei aufgelistet. Eine kleine Auswahl zum Schluss? Nun ja, von A bis Z: Apfel, Birke, Chinesische Quitte, Dahlie, Eberesche, Farn, Ginster, Holunder, Königskerze, Liguster, Mädesüß, Ochsenzunge, Petersilie, Ringelblume, Schafgarbe, Wiesenklee, Zitterpappel ...



Brigitte Roßbeck

Stand:01.07.2003


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