Gartenpraxis Gut zu wissen Naturkunde Liebe, Leben, Tod – Pflanzen und ihre Symbolik

Liebe, Leben, Tod – Pflanzen und ihre Symbolik

Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, sie liebt mich, sie ..." Viele kennen dieses Spiel aus ihrer Kindheit oder frühen Jugend: In Liebesangelegenheiten wird das Gänseblümchen zurate gezogen. Ein Blütenblatt nach dem anderen wird gerupft, um Sicherheit zu gewinnen, ob die oder der Angebetete die Sehnsucht erwidert. Und wenn das Ergebnis negativ ausfällt? Dann muss noch ein ­zweites Gänseblümchen herhalten ...

Ob Liebe, Leidenschaft, Treue, Reichtum, Freude, Zufriedenheit, Geheimnisvolles, Vergänglichkeit oder der Tod, schon vor langer Zeit haben die Menschen den Pflanzen eine bestimmte Symbolkraft zugesprochen. Die rote Rose (Rosa) als Sinnbild für Liebe und Leidenschaft oder das Vergissmeinnicht (Myosotis) als Symbol für Treue und Beständigkeit sind sicher zwei der bekanntesten Beispiele. Betrachten wir noch einige weitere Pflanzen.

„Blume der feinen Leute"

Foto: Lochstampfer 
Als "Blume der feinen Leute" wird die Kaiserkrone (Fritillaria imperialis) bezeichnet

Im Frühjahr erstrahlen die farbenprächtigen Blüten der Kaiserkrone (Fritillaria imperialis), die auch als „Blume der feinen Leute" bezeichnet wird. Die auffällige, dekorative Pflanze stammt ursprünglich aus dem Gebiet des westlichen Himalajas und gelangte über Persien und die Türkei nach Deutschland.

Im 16. und 17. Jahrhundert hielt sie Einzug in die feinen deutschen Gärten. Und es entbrannte ein Wett­bewerb, wer die Pflanze mit den meisten Glocken hat. Doch im Gegensatz zu ihrem kaiserlichen Erscheinungsbild ist der Duft der Blume nicht ganz so „fein", sodass ihr Standort im Garten gut gewählt sein will.

Unschuld und Tod

Ein Sinnbild für die Reinheit des Her­zens ist die Weiße Lilie (Lilium candidum). Zugleich wird sie mit dem Tod in Verbindung gebracht. In alten Sagen heißt es, Weiße Lilien würden am dritten Tag von selbst aus Gräbern wachsen, in denen unschuldige Menschen beerdigt wurden. Sie seien ein Gruß des Toten.

Außerdem duften ihre Blüten stark und wurden zerstampft dem Wasser beigegeben, mit dem die Leichen gewaschen wurden. Auch heute noch schmücken die Pflanzen Gräber als Zeichen der Auferstehung einer reinen Seele.

„Himmlische Zauberpflanze"

 
Foto: Lochstampfer 
In vielen Märchen gilt die Echte Schlüsselblume (Primula veris) als Zauberpflanze

Die Echte Schlüsselblume (Primula veris), auch Himmelsschlüssel ­genannt, gehört zu den ersten Frühlingsboten im Jahr. Der frühen Blütezeit verdankt die Pflanze ihren wissenschaftlichen Namen. Er stammt vom lateinischen „primus" = der Erste ab. Die Verkleinerungsform „primula" bedeutet somit „kleiner Erstling".

Die Schlüsselblume gilt als Symbol für Hoffnung, Jugend, Freude und Zufriedenheit sowie für die Heilkraft des Frühlings. In vielen Märchen wird sie als Zauberpflanze beschrieben, die zu verborgenen Schätzen führt und mit der sich verriegelte Schlösser öffnen lassen.

Der Name Himmelsschlüssel hat seinen Ursprung in einer Legende vom heiligen Petrus. Dort heißt es, Petrus, der die Himmelstore ­bewacht, habe eines Tages seine Schlüssel verloren. An den Stellen, an denen sie auf die Erde fielen, wuchsen plötzlich die „Himmelsschlüssel".

Christiane Breder

 



Stand:01.06.2005



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