Gartenpraxis Gut zu wissen Naturkunde NABU entdeckt Genabelte Puppenschnecke in Niedersachsen

NABU entdeckt Genabelte Puppenschnecke in Niedersachsen


Ansammlung Genabelter Puppenschnecken im Braunschweiger Botanischen Garten
Foto: NABU/Wimmer

Sie wird nur drei bis vier Millimeter groß und lebt eigentlich im westlichen Europa, aber auch im Norden Deutschlands und Skandinaviens. Aus Niedersachsen war die Genabelte Puppenschnecke mit dem wohlklingenden wissenschaftlichen Namen Lauria cylindracea bisher nicht bekannt.

Umso erstaunter waren die NABU-Schneckenexperten Walter Wimmer und Karl-Heinz Teichler, als sie die Art kürzlich in großer Anzahl im Botanischen Garten Braunschweig entdeckten. Hier lebt sie gemeinsam mit anderen Arten an Mauern und unter Büschen in einem eng begrenzten Bereich zwischen den Gewächshäusern.

Es scheint ein Zusammenwirken günstiger Faktoren zu sein, das es den Tieren ermöglicht, hier zu leben, z.B. die geschützte Lage in der Nähe der Gebäude und die feuchte Gewächshaus-Abluft. Beide Faktoren tragen zu einem milden, ausgeglichenen Kleinklima bei, das die Habitatansprüche der Art erfüllt.

Die Genabelte Puppenschnecke in Niedersachsen zu finden, war für die NABU-Schneckenfachleute eine große Überraschung: „Wir wissen weder, wie und wann sie nach Braunschweig gelangt ist, noch woher sie kommt“, erklärt Walter Wimmer. Die nächstgelegenen, bekannten Vorkommen der Art bestehen bei Lübeck und in Rheinland-Pfalz im Rheintal.

„Der letzte, der im Braunschweiger Botanischen Garten gründlich die Schnecken untersucht hat, war Victor von Koch, und das ist gut 100 Jahre her“, weiß Wimmer. Irgendwann in diesem Zeitraum haben die Tierchen den Weg nach Braunschweig gefunden. Ob mit Gartenpflanzen, Baumaterial oder sogar durch Vögel transportiert, darüber können auch die beiden Fachleute nur spekulieren.

Interessant sei der Fund auf jeden Fall, betont Wimmer und ergänzt: „Das Beobachten und Dokumentieren der Ausbreitung neu aufgetretener Arten gehört zu den spannendsten Themen der Naturbeobachtung.“ Zudem wisse man nie, welche Arten „einwandern“ und welche von ihnen sich an dem neuen Standort halten könnten.

Das neue Vorkommen der Genabelten Puppenschnecke haben die Schneckenforscher in den Braunschweiger Naturkundlichen Schriften beschrieben. Das Heft ist im Oktober im Staatlichen Naturhistorischen Museum Braunschweig erschienen.

Rückfragen:
Walter Wimmer, NABU Schneckenexperte, Telefon: 0511/9110529


Stand:01.01.2006


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