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Spuren im Garten erkennen


Foto: Rohdich 
Das Loch in der Haselnuss verrät den Übeltäter: Die Larve des Haselnussbohrers ist in der Nuss groß geworden und hat sie durch das selbst gebohrte Loch verlassen

Spuren- und Fährtenleser – sie gehören zu den ältesten Berufen der Menschheit. Denn von ihren Fähigkeiten hing es oft ab, ob es täglich etwas zu essen gab oder nicht. Nun, so bedeutsam ist das heute nicht mehr, auch in unseren Gärten nicht. Aber es kann doch ganz reizvoll sein, dahinter zu kommen, was die Spuren bedeuten, die einige unserer Mitbewohner im Garten hinterlassen.

Nächtlicher Vielfraß
Da zeigt sich eines Morgens im hellen Gegenlicht eine silbrig glänzende Spur auf dem steinernen Gehweg. Gestern war sie noch nicht da, also ist sie in der Nacht entstanden. Kein Zweifel: Eine Schnecke war unterwegs!

Schnecken müssen ihre Wege sozusagen im Voraus einschleimen, damit sie über sie hinweggleiten können. Dabei spielt es keine Rolle, wie der Untergrund beschaffen ist: raue Steine, glatte Bodenfliesen oder stachelige Blätter.

Foto: Rohdich 
Hier ist in der Nacht eine Schnecke durchgezogen und hat ihre klebrige, silbrige Spur hinterlassen

Eine solch ausgeprägte Spur kann nur eine große Schnecke hinterlassen, es war eine der leider immer häufiger vorkommenden Spanischen Wegschnecken. Ihr nächtlicher Appetit ist gewaltig, man tut gut daran, ihnen diesen zu verderben.

Eine Nuss als Kinderstube
Unter einem Haselnussstrauch liegt eine scheinbar voll ausgereift Frucht zu einem Zeitpunkt, zu dem die Nüsse noch gar nicht reif sein können. Leider ist sie hohl, ein kreisrundes Loch zeigt an, dass jemand in ihr gewohnt und auch mächtig gefuttert hat. Es war die Larve des Haselnussbohrers.

Nachdem sich im Sommer die ersten grünen Früchte gebildet haben, bohrt das Weibchen eine von ihnen an und legt ein Ei hinein. Bis zum Spätsommer frisst sich die daraus entstehende Larve dick und rund, bis die Nuss leer ist. Dann nagt sie von innen her ein Loch in die Schale und lässt sich herausfallen. Oft fällt die scheinreife Nuss vorher ab. Auf jeden Fall braucht die Larve dann ein Versteck im Erdreich, um sich dort bis zur nächsten Saison verpuppen zu können.

Fleißige Schwerstarbeiter

Foto: Rohdich 
Eines von vielen Sandhäufchen auf dem Gartenweg, das wie ein Minivulkan aussieht. Unterirdisch ist dort eine Grabwespe tätig, die ihren Nachwuchs aufzieht

Wer den Gartenweg mit den üblichen Zementsteinen angelegt hat, die eng an eng, aber mit kleinen Zwischenräumen nebeneinander gesetzt werden, wird zur Grundierung den üblichen weißen Sand benutzt haben. Nun sieht er zu seinem Staunen Häufchen dieses Sandes auf dem Weg liegen. Da ein kraterförmiges Ein- beziehungsweise Ausschlupfloch deutlich zu erkennen ist, muss hier jemand gearbeitet haben. Oft liegen viele Häufchen dicht zusammen auf einem Quadratmeter.

Hier ist ein nützlicher Schwerstarbeiter am Werk: eine Grabwespe. Unter den Steinen hat sie ihre Eier abgelegt, nachdem sie eine gehörige Portion Sand nach oben befördert hat. Im Sommer, wenn ihre Larven geschlüpft sind, muss sie ihren enormen Appetit mit fleischlicher Kost stillen. Diese besteht zum Teil aus Schadinsekten. Wer die Tiere einmal ein Stündchen beobachtet, kann erfahren, was Fleiß wirklich bedeutet.

Ungeliebt, aber nützlich
An der Decke der Gartenlaube hängt ein merkwürdiges Gebilde, zweifellos erbaut und nicht gewachsen. Schon kommt eine Wespe angeflogen und macht sich dort zu schaffen – das soll wohl ihr Nest werden.
Wespennester, die nicht stören und so hängen, dass die fliegenden Tiere niemanden gefährden, sollten Sie ungeschoren lassen. Denn die Tiere sind harmlos, wenn wir sie nicht reizen. Außerdem sind sie während der Aufzucht der Brut nützlich, da sie manches Schadinsekt vertilgen.

Nur vier Beispiele von vielen möglichen haben wir Ihnen hier vorgestellt, vielleicht schärfen sie das Auge manchen Gartenfreundes ...

Walther Rohdich




Stand:01.07.2006



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