Mit Zucker und Wachs gegen die Kälte
Strategien von Pflanzen, bei Frost zu überleben
![]() Foto: Breder Schnee wirkt auf Pflanzen und Boden wie eine Wärmedämmung. Werden die Schneemassen allerdings zu schwer, wie hier auf dem Bild, und drücken Äste nieder, sollten Sie die Pflanzen von der weißen Last befreien. |
Klirrende Kälte bedeutet Stress für viele Pflanzen. Bläst außerdem noch ein eisiger Wind und fehlt eine vor Verdunstung und Kälte schützende Schneedecke, verstärkt sich die Problematik noch: Die Pflanzen verdunsten viel Wasser, und die Wurzeln können aus dem gefrorenen Boden kein neues Wasser nachliefern, sodass die Pflanzen unter Frosttrocknis leiden. Um Kälte und damit entstehenden Wassermangel schadlos zu überstehen, haben Pflanzen unterschiedliche Strategien entwickelt.
Angepasster Lebensrhythmus
Viele unserer heimischen Pflanzen sind in ihren Wachstums- und Ruhezeiten an unser Klima angepasst. Die krautigen Pflanzen verwelken zum Herbst hin, ihre Samen überdauern den Winter im Boden und sorgen für neues Leben im Frühjahr. Auch die oberirdischen Pflanzenteile der mehrjährigen Stauden sterben ab, das Wurzelwerk bleibt geschützt im Boden und steht für den erneuten Austrieb im Frühjahr bereit.
Gleiches gilt für Zwiebelpflanzen: Sie ziehen ihren gesamten Energievorrat in ihre unterirdischen Speicherorgane zurück. Nach dem Winter werden die Nährstoffe für neues Wachstum genutzt.
„Last but not least“ sind da unsere heimischen Laubgehölze, die ebenfalls im Herbst die Inhaltsstoffe, die sie zu einem späteren Zeitpunkt noch nutzen können, aus ihren Blättern in die holzigen Pflanzenteile zurückziehen. Dann werfen sie die Blätter ab. Da die Gehölze ihren gesamten Stoffwechsel im Winter „auf Sparflamme fahren“, benötigen sie die Blätter und die in ihnen enthaltenen Chloroplasten als „Energiekraftwerke“ nicht. Mit dem Laubabwurf minimieren sie zugleich die Verdunstungsrate, was ihnen bei Frost zugute kommt, wenn die Wurzeln kein Wasser aus dem Boden aufnehmen können.
„Äußere“ Frostschutzmaßnahmen
Foto: Breder Frosttrocknis macht dem Rhododendron zu schaffen: Um die Verdunstung gering zu halten, stellt er seine Blätter nach unten und rollt sie ein, damit die Spaltöffnungen geschützt sind. |
Immergrüne Pflanzen können im Winter weiterhin Photosynthese betreiben. Doch auch sie sind den Unbilden des Winters ausgesetzt. Der Rhododendron (Rhododendron) hilft sich z.B., um Frosttrocknis zu vermeiden, indem er seine Blätter nach unten stellt und einrollt (siehe Foto). Dadurch liegen die Spaltöffnungen auf der Blattinnenseite geschützter, die Verdunstungsrate wird verringert. Hinzu kommt die lederartige Struktur der Blätter, die vor extremen Witterungseinflüssen schützt.
Immergrüne Nadelgehölze nutzen die Strategie, dass sie die Oberfläche ihrer Blätter dauerhaft –in Form von „Nadeln“ – gering halten und sie mit Wachs überziehen, damit die Verdunstungsrate gering bleibt. Daher brauchen sie ihre Nadeln im Winter nicht abzuwerfen, wie es unsere Laubbäume mit ihren Blättern tun.
Trotz dieser Schutzvorkehrungen kann es sinnvoll sein, nach längeren Frostperioden – wenn der Boden wieder aufgetaut ist – immergrüne Gehölze zu gießen, um die Wirkung von Frosttrocknis zu lindern. Das gilt auch für Kübelpflanzen, deren Wasservorrat noch geringer ist als bei Pflanzen im Freiland.
Frühblüher wie Schneeglöckchen (Galanthus) haben sich als Anpassung gegen die Kälte noch etwas anderes einfallen lassen: Sie besitzen so genannte Hüllblätter, die die Spitze des jungen Sprosses umschließen und damit vor Frostschäden schützen. Die Hüllblätter öffnen sich erst, wenn sich die Blüte entfaltet.
Foto: Fehn Nach längere Frostperioden sollten Sie immergrünen Gehölzen Wasser geben, sobald der Boden aufgetaut ist. Das gilt auch für Kübelpflanzen deren Wasservorrat sehr gering ist. |
Außerdem sind die festen und fleischigen Grundblätter dazu gedacht, Wasser zu speichern und die Verdunstung in Grenzen zu halten. Zudem lagern Frühblüher wie Schneeglöckchen so genannte Frostschutzmittel ein, um die Zellen vor dem Erfrieren zu bewahren.
„Innere“ Frostschutz-
maßnahmen
Pflanzen haben nicht nur die Möglichkeit, sich „äußerlich“ gegen die widrigen Verhältnisse des Winters zu schützen, auch in ihrem „Inneren“, in den Zellen, gibt es Prozesse, die ihnen helfen, Frostperioden schadlos zu überstehen. An Kälte angepasste Pflanzen lagern z.B. vermehrt Stoffe wie Zucker als „Frostschutzmittel“ ein, um den Gefrierpunkt der Pflanzensäfte herabzusetzen. Besonders wichtig ist es, dass sich im Protoplasma (Pflanzensaft im Zellinneren) keine Eiskristalle bilden, denn dort finden alle wichtigen Stoffwechselfunktionen statt.
Schnee schützt vor Kälte
Eine dicke Schneedecke wirkt wie eine Wärmedämmung für Pflanzen und Boden, und die Gewächse leiden trotz tiefer Temperaturen weniger unter Stress. Wenn die Schneemassen allerdings überhand nehmen und Äste abzubrechen oder die Pflanzen zu „ersticken“ drohen, sollten Sie eingreifen, indem Sie die weiße Pracht z.B. mit einem Besen abfegen.
Kälte setzt Keimung in Gang
Kälte hat nicht nur negative Wirkungen auf Pflanzen. Bei einigen Arten, den Kaltkeimern, beendet sie die Samenruhe und ist daher für den Fortbestand der Art notwendig. Das gilt z.B. für Stauden mit einer besonders harten Samenschale, wie sie u.a. Diptam (Dictamnus) oder Nieswurz (Helleborus) aufweisen. Wird die Keimung eines Kaltkeimers künstlich ausgelöst, spricht man von Stratifikation.
Christiane Breder
Stand:01.01.2006








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