Gartenpraxis Pflanzenschutz Krankheiten Gaultherien

Gaultheria procumbens:
Pilzalarm bei den beliebten winterharten Zierpflanzen

Am Julius Kühn-Institut wird nach  krankheitsresistenten Formen des Amerikanischen Wintergrüns gesucht


Foto: Julius Kühn-Institut / ZGO Qb 
Beliebtes Immergrün: zierlich, mit hübschen Blüten und auffälligen Früchten
Quedlinburg (11.11.09) Jetzt bringt es wieder Farbe in Herbstbepflanzungen, das Amerikanische Wintergrün (Gaultheria procumbens). Mit ihren attraktiven roten Scheinbeeren und den dunkelgrünen glänzenden Blättern ist die winterharte Zierpflanze in der trüben Jahreszeit ein echter Hingucker für Balkon und Garten.

Doch dem farbenfrohen amerikanischen Vetter aus der Erika-Familie droht Gefahr. Ein Pilz lässt die Pflanzen verbräunen und dahinwelken. Die Anthraknose-Krankheit, die auch durch infiziertes Saatgut übertragen wird, erschwert den Gaultheria-Anbau zunehmend. In Kooperation mit einem Praxisbetrieb suchen Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts in Quedlinburg nun nach Wintergrün-Arten, die dem Schaderreger Paroli bieten können.

Dazu haben sie den Krankheitserreger studiert und sein Infektionsverhalten bei verschiedenen Arten getestet. Parallel versuchen sie, resistente Gaultheria-Arten mit dem Amerikanischen Wintergrün zu kreuzen, um sie widerstandsfähiger gegen den Schaderreger zu machen.

Eine alte Militärweisheit besagt, dass es gut ist, den Feind genau zu kennen, den man bekämpfen will. Colletotrichum gloeosporioides, so der Name des „feindlichen“ Pilzes, verursacht bräunlich-schwarze Läsionen an unteren Sprossabschnitten und führt zum Absterben von Trieben und Zweigen sowie zur Fruchtfäule. Mit Pflanzenschutzmitteln ließe sich der Schaden begrenzen, aber davon soll ja eher weniger zum Einsatz kommen. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig nach krankheitsresistenten Gaultheria-Formen Ausschau zu halten.
 
Bis zum Ziel, eine resistente Form auf den Markt zu bringen, ist es noch ein langer Weg, denn von der Entwicklung bis zur Markteinführung können mitunter 15 Jahre und mehr vergehen. Doch die Wissenschaftlerin bleibt optimistisch, da es Wintergrün-Arten im Bestand gibt, die dem Erreger trotzen.

Hintergrundinfo zu Gaultheria procumbens:

Das aus Nordamerika stammende Wintergrün, auch Niedere Scheinbeere genannt, wird seit ca. 20 Jahren von Baumschulen und Gartenbaubetrieben in Deutschland angebaut. Der Hauptverkaufszeitraum für die immergrüne und winterharte Pflanze liegt aufgrund der attraktiven roten Scheinbeeren im Herbst. Im Frühsommer tragen die Pflanzen kleine, eher unscheinbare glöckchenförmige weiße Blüten.

JKI


Ergänzung der Redaktion:

Für den Verbraucher gilt derweil:


Sollten Sie für die winterliche Balkon-, Grab- oder Beetbepflanzung Scheinbeeren kaufen wollen, sehen Sie sich die Pflanzen genau an, ob sie gesund und robust wirken. Wenn der Schaden durch den Erreger sicher auch vorrangig den Erwerbsgartenbau trifft, so kann es durchaus sein, dass nicht entdeckte infizierte Pflanzen in den Handel kommen.         gs



Stand:13.11.2009


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