Die Grabwespe: ein Schwerarbeiter im Garten
Foto: Rohdich Bevorzugt sitzen die Grabwespen auf Blüten, um hier ihre Beute, andere Insekten, zu fangen |
„Übeltäter" ist ein Winzling, der dennoch ein Schwer- bis Schwerstarbeiter ist: Der Mensch vergleicht ja gern einen tierischen Kraftakt mit demjenigen, den er selbst mit einiger Mühe schaffen kann. Tun wir das hier auch, so müssen wir feststellen, dass wir Schwachmänner ersten Grades sind. Schon der Maulwurf ist gegen uns ein Kraftprotz. Er müsste aber, gemessen an den Kräften unseres hier genannten Winzlings, Erdhaufen in Häuserhöhe stemmen können.
Foto: Rohdich Immer gibt es für das fleißige Insekt irgendetwas am Sandhaufen zu tun und auszubessern, mal hat der Wind Sand verweht, dann hat ein menschlicher Fuß alles niedergetreten |
Weltweit stellen die Grabwespen Sphecidae eine große Familie dar, mit mannigfaltigen und absonderlichen Variationen im Verhalten. Mit etwa 1 cm Länge ist unser Gartenbewohner eine kleine Art, die nur bei näherem Hinsehen als Wespe einzuordnen ist: durch ihren bei Wespen abgesetzten, gelbschwarz quer gestreiften Hinterleib.
Aber keine Angst: Sie kann wohl stechen wie alle Wespen, doch wird ihr Ministachel nicht uns, sondern nur ihrer Beute – Fliegen und anderen kleinen Insekten – gefährlich. Sein Gift lähmt sie und hält sie solange frisch, bis die Larve sie auffressen kann. Das nennt man Brutpflege.
Foto: Rohdich Wie ein Dachs sichernd hockt die Wespe im Loch, bevor sie ausfliegen möchte, und beobachtet die Umgebung. Ihre großen Facettenaugen nehmen jede auffällige Bewegung in der näheren Umgebung wahr. |
Manche Arten haben sich auf in unseren Augen lästige und schädliche Insekten spezialisiert: kleine Stechfliegen, Mücken, Gallfliegen, größere Blattläuse. So können wir unsere Grabwespe als für den Garten nützlich bezeichnen, und wen die Sandhäufchen stören, der mag sie getrost einebnen, aber den Zugang, ein gut sichtbares, kreisrundes Loch, offen lassen. Die Larve wird den ganzen Sommer über gefüttert und überwintert in ihrem Versteck, um im nächsten Frühjahr das Treiben ihrer Eltern mit gleichem Fleiß fortzusetzen.
Foto: Rohdich So sehen die von den Grabwespen geschaffenen Sandhäufchen aus. Bei stärkerem Befall wird der Untergrund der Wegesteine durchaus in Mitleidenschaft gezogen, es findet eine Art Unterhöhlung statt. |
Fleißig und aufmerksam: die Grabwespe
Bei meinen Arbeiten und auf Knien durchgeführten Beobachtungen und Aufnahmen konnte ich feststellen, dass ich ein sehr fleißiges und aufmerksames Tierchen vor mir hatte. Bei Sonnenschein, wenn die meisten Insekten unterwegs sind, kam das Altinsekt alle 15 bis 25 Minuten mit einem Beutestück angeflogen und fand unbeirrbar ihr eigenes Nestloch, auch wenn weitere in unmittelbarer Nähe vorhanden waren und ich – versuchs- und boshafterweise – ihr den Zuflug ein wenig verbaut hatte.Als ich das erste Mal auf die Lauer ging, beobachteten, ja musterten mich die betroffenen Grabwespen durch Anflug nahe vors Gesicht und an die Kameralinse, ihre überdimensional großen Facettenaugen nahmen offensichtlich jede Kleinigkeit wahr. Nach dem Einschlupf blieben die Tiere fünf bis zehn Minuten unten, und wenn sie herauswollten, flogen sie nicht einfach los, sondern sie musterten, halb in der Öffnung hockend, aufmerksam die Gegend und schnurrten erst dann ab. Regenfälle, auch starke Gewittergüsse, ebneten zwar die Sandhäufchen ein, konnten aber den Larven unten nichts anhaben.
Unsere Grabwespe mag im sommerlichen Garten sonst wenig auffallen: Aber sie trägt ganz zweifellos zum biologischen Gleichgewicht, wie wir es sehen, wie es uns gefällt, mit ihren winzigen Möglichkeiten bei. Bieten wir ihr doch die Reviere dazu an, nämlich unsere Gärten!
Walther Rohdich
Stand:01.07.2003





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