Gartenpraxis Pflanzenschutz Schädlinge Kirschfruchtfliege

Kirschfruchtfliege

Foto: Hoyer 
Kirsche mit Loch am Baum. Die Made ist raus, der Genuss trotzdem oft dahin.

Im vergangenen Jahr waren Verluste bei der Süßkirschernte durch die Kirschfruchtfliege besonders hoch. Da verwundert es nicht, dass auch in diesem  Jahr viele Gartenfreunde nach Möglichkeiten der Kirschfruchtfliegen-Bekämpfung fragen.

Leider muss festgestellt werden, dass es nach wie vor kein ausreichend wirksames Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege gibt und auch in näherer Zukunft nicht geben wird.

In die Suche nach Möglich­keiten, die Kirschen vor dem Madenbefall zu schützen, haben For­schungseinrichtungen, die sich vor allem mit biologischen Verfahren beschäftigen, viel Arbeit investiert. So wurden z.B. räuberische Fadenwürmer aus Massenzuchten in verschiedenen Varianten gegen den Schädling getestet. Die winzigen Würmer sollen die Fliegen beim Schlupf aus der im Boden lebenden Puppe befallen.

Kirsche ohne Loch, dennoch mit Made. Hier üben viele Obstfreunde lieber Verzicht.

Die Laborergebnisse waren bei einigen Varianten hoffnungsvoll, ob aber aus dieser Arbeit einmal ein praktikables Verfahren entwickelt werden kann, ist noch unklar.

In einem anderen Forschungsprojekt wurden insektenpathogene Pilze getestet. Kommen die Kirschfruchtfliegen mit den Pilzsporen in Kontakt, können diese in den Fliegenkörper einwachsen und so die Tiere innerhalb kurzer Zeit abtöten.

Besonders interessant ist der Pilz Beauveria bassiana. In der Schweiz und in Italien ist ein entsprechendes Pilzpräparat unter dem Namen "Naturalis-L" zur Bekämpfung der Kirschfruchtfliege behördlich zugelassen.

In Deutschland fehlt die Zulassung durch das Bundesamt für Ver­braucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Ob in den nächsten Jah­ren mit einer Zulassung zu rech­nen ist, lässt sich nicht sagen. Denn ähnlich wie bei den Versuchen mit Nematoden waren auch bei den Ver­suchen mit insektenpathogenen Pilzen die Ergebnisse sehr unterschiedlich.

Foto: BBA Dossenheim 
Und so sieht sie aus, die Übeltäterin Kirschfrucht-
fliege, gegen die es kaum wirkungsvolle Abwehr-
strategien gibt

In den Berichten zur biologischen Kirschfruchtfliegen-Bekäm­pfung wird auch auf Alternativen hingewiesen. Aber auch hier sind die Möglichkeiten begrenzt: Gelbtafeln zeigen wenig Wirkung, und das Einnetzen der Bäume oder die Hüh­ner- und Entenhaltung unter den Bäumen ist in den meisten Fällen nicht durchführbar.

Professionellen Kirschanbauern und Gartenfreunden bleibt daher auch in diesem Jahr nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass der Befall ausbleibt oder nur gering ausfällt.

Neben der heimischen Kirschfruchtfliege tritt seit einigen Jahren auch die Amerikanische Kirsch­fruchtfliege auf. Da diese Art ca. drei Wochen später schlüpft, besteht die Gefahr, dass sie die später rei­fenden Sauerkirschen schädigt.

Christoph Hoyer


Stand:01.06.2011


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