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Lebensfroher Evergreen: Der Buchsbaum

 
Foto: Roßbeck 
Der Buchsbaum liebt es gerne warm und trocken, akzeptiert aber auch unvorteilhaftere Standortbedingungen
Den Weihnachtsbaum in seiner heutigen Gestalt kennen wir erst seit etwa hundert Jahren. Immergrünes zur „Weihnachtszeit" schätzten aber schon die Menschen der Antike. Mit Misteln, Efeu, Lorbeer beispielsweise schmückten sie einstmals um den 24. Dezember ihre Häuser zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Saturn, galten doch die Saturnalien-Feiern als Höhepunkte im römischen Festtagskalender.

Alle Standesunterschiede waren eine Woche lang aufgehoben, man erfreute einander mit Geschenken und traf sich zu ausgedehnten Gelagen. Wen wundert es da noch, dass Papst Julius im Jahre 359 n. Chr. ausgerechnet auf dieses Datum den Geburtstag Jesus von Nazareths legte?

Buxus zur Weihnachtszeit

Die Weihnachtsgeschichte des Buchsbaums lässt sich bis in 15. Jahrhundert zurückverfolgen. In deutschen Gefilden, in Niedersachsen, war er schon in der Renaissance unverzichtbarer Bestandteil von dreistufigen Klausen(Nikolaus)pyramiden. Auch aus Schlesien sind Bilder überliefert, die aus der Barockzeit stammen: Sie zeigen einen Apfel, der auf vier Stäbe gespießt und mit Buchbaumzweigen verziert ist. (Äpfel sollten an den Sündenfall im Paradies erinnern und an die Erlösung von der Erbsünde durch den neugeborenen Gottessohn.) Vom Buchsbaum stammte auch jenes zarte Blattwerk, mit dem man bis ins 19. Jahrhundert hinein geschnitzte Weihnachtsbögen umschlang.

Foto: PDM 
Am Buchsbaum können sich Gartenkünstler kreativ austoben

Üppig oder in Form gebracht

Draußen begegnen wir dem Evergreen zumeist als dichtem Strauch. Dass er aber – ohne regelmäßigen Schnitt und bei günstigsten Standortbedingungen – viel Freiraum für seine Zweige anstrebt und im Kaukasus bis zu sechzehn Meter in die Höhe wächst und dass er gut und gerne ein halbes Jahrtausend alt werden kann, davon erfahren wir nur selten.

Dabei widerlegt schon sein botanischer Name Buxus sempervirens, frei übersetzt: der lebensfrohe Buchsbaum, alle Zweifel an seiner Vitalität. Das Wort Buxus geht auf eine alte Bezeichnung für Dose, Kistchen zurück; im Englischen noch als box zu finden. Buchsbaumholz war ein von Drechslern lange Zeit bevorzugtes Material zur Herstellung von kleinen Behältnissen.

Ebenfalls aus gutem Grund mauserte sich gerade der Buchsbaum zum Klassiker unter regelmäßig symmetrisch gestutzten Sträuchern. Gartenkünstler nutzen die Unermüdlichkeit von Buxus, um ihm Formschnitte in allerlei Variationen, von Tierfiguren bis hin zu ornamentalen Arabesken, zu verpassen. Stets gleicht der Buchsbaum Verluste wieder aus, trotzt gar erheblichen Verletzungen, und er wehrt – von Ausnahmen einmal abgesehen – Frostattacken schadlos ab.

Im April oder Mai erscheinen seine winzigen, grüngelben Blüten, bei genauem Hinsehen lassen sich dicht beieinander stehende weibliche und männliche unterscheiden. Weibliche Buchsblüten entwickeln jeweils sechs, männliche hingegen nur vier Blütenblätter. Die Samen jugendlicher Buchsbäume sind meist noch taub, erst die des etwa zwanzigjährigen Gehölzes sind zur Fortpflanzung befähigt. Insbesondere Ameisen übernehmen die Ausbreitung der Buchsbaumsamen.

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Dem Wesen nach ist Buxus wärmeliebend, mag kalkreiche, trockene Böden eher als saure, feuchte. Sein unverwüstliches Naturell aber ermöglicht ihm, auch unvorteilhafte Standortbedingungen zu akzeptieren.

In „Freiheit", das heißt in lockeren mediterranen Mischwaldbeständen, umgibt er sich gern mit klimatisch gleichgestimmten Pflanzen wie Weichselkirsche, Zwergmispel, Holzapfel, Holzbirne, Felsenbirne, Schlehe ... Verwandte des Buchsbaums, wenngleich entfernte, sind die Stechpalme und das Pfaffenhütchen.

Ein Kapitel für sich ist des Buchsbaums Vermehrung. Ein teurer Spaß muss Buchsbaum in Haus und Garten nicht sein – sofern man selbst oder freigebige Freunde über einen oder besser noch mehrere Stecklingsspender verfügen! Kompetente Auskunft über die ebenso effektive wie Kosten sparende Buchsbaumvermehrung erteilt u. a. die Autorin Gerda Tornieporth; in ihrem empfehlenswerten Ratgeber „Buchs im Garten" (BLV Verlagsgesellschaft, München. ISBN 3-405-16058-8) steht zu lesen: „Meine ersten Buchsbaumpflanzen für den Garten habe ich gekauft. Ich wusste es nicht besser! ... Mein eigentliches Schlüsselerlebnis ... hatte ich jedoch auf der Insel Elba. [Der italienische] Gärtner ... brach einen Jahrestrieb ab – brechen oder reißen sei besser als schneiden. Die unteren Blätter wurden vom Stiel gezupft, dann steckte mein Buchsfachmann den Zweig schräg und tief in das – Schnittlauchbeet."

Eine verblüffende Partnerschaft! Und in der Tat effektiv! Denn der Schnittlauch bildet just jenes Wachstumshormon, das den Buchsbaum zu Wurzelbildung und Wachstum anregt.

Brigitte Roßbeck
Anmerkung der Redaktion:
Alle Pflanzenteile des Buchsbaums sind giftig!







Stand:01.12.2002


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