Langeweile im Winter? - Auch wenn es draußen kalt ist, können Kinder in der Natur viel Spannendes entdecken
Foto: Leumer Mit Ranken von Knöterich, Hopfen oder Efeu lassen sich prima Kränze basteln |
Das Interesse an einem Spaziergang muss erst geweckt werden. Der Jäger- und Sammlerinstinkt hilft dabei. Bemerkungen wie „Wie viele Spuren die Kaninchen wohl im Garten hinterlassen haben?" oder „Welche Vögel wohl in diesem Jahr zur Futterstelle kommen werden?" können helfen.
Oberstes Gebot: warm anziehen
Wichtig ist, dass die Kinder warm angezogen sind. Ein frierendes Kind hat wenig Interesse an der Natur.Bei einem Spaziergang im Schnee gibt es natürlich eine Schneeballschlacht oder ein Schneemann wird gebaut. Noch interessanter ist eine unberührte Schneefläche, denn hier kann man Spuren lesen.
Hunde-, Katzen- und Kaninchenspuren trifft man bestimmt in der Umgebung des Gartens. Vogelspuren sind oft ohne Anfang und Ende. Man kann den Kindern zeigen, welche Spuren ein Vogel beim „Landen" oder „Starten" mit den Flügeln im Schnee hinterlassen hat.
Unbedingt sollte den Kindern der Vorteil einer Schneedecke erklärt werden; ebenso der Kälteschutz für Pflanzen und Kleinlebewesen durch eine Laubschicht. Aber auch die Nachteile des Schnees sollten erwähnt werden, wie z.B. verwehte Futterplätze oder nasser Schnee auf den Zweigen.
Die Wohnungsnot der Vögel regt die Kinder oft an, einmal selbst einen Nistkasten zu bauen. Es bietet sich auch die Gelegenheit, mit den Kindern aus Vogelfutter und Rindertalg allerlei Futtermöglichkeiten zu basteln. Leere Wal- oder Kokosnussschalen werden mit Vogelfutter gefüllt, dann gibt man ausgelassenen Rindertalg hinzu.
Liegt kein Schnee, kann man Kindern beim Spaziergang zeigen, wie Kleintiere überwintern. Larven, Würmer und Käfer unter der Laubschicht sind immer interessant. Ebenso sind Samenstände der Sommerblumen und Stauden Objekte zum Beobachten.
Foto: Leumer Aufschlussreich: Spuren im Schnee |
Anschauungsobjekte in Hülle und Fülle
Jetzt bietet es sich an, mit den Kindern über die Winterruhe der Pflanzen zu sprechen. Mit einem scharfen Messer wird eine Knospe geteilt. Am besten eignet sich eine Knospe vom Flieder oder einer Kastanie. Die Kinder können dann mit bloßem Auge die neuen Blüten erkennen. Größere Kinder kann man anregen, über Zusammenhänge vom Werden und Vergehen nachzudenken.Auch die wunderbare Vorsorge der Natur, dass im Frühling alles gleich wieder blühen kann, sollte den Kindern als Denkanstoß gegeben werden. Dabei ist für Schulkinder ein Rechenexempel interessant, z.B. wie viele Monate es von der Knospenentwicklung im Juni bis zur Apfelernte im darauf folgenden Jahr dauert.
Wer einen größeren Kompost- oder Laubhaufen hat, kann den Kindern im wahrsten Sinne des Wortes „handgreiflich" den Unterschied zwischen der Außentemperatur und der Temperatur im Inneren des Komposts demonstrieren.
Von einem Spaziergang wollen Kinder auch gern etwas mit nach Hause nehmen. Für einen Blumenstrauß bieten sich Zweige der Gehölze an. Zu Hause können die Kinder dann beobachten, wie die Knospen aufbrechen. Sie kommen schnell dahinter, welche Gehölze sich zum Treiben in der Vase eignen.
Man sollte Kinder auf die Spitzen der Frühlingsblumen, die sich oft schon im Winter zeigen, aufmerksam machen. Der nächste Spaziergang bekommt dadurch seinen Reiz, dass der Fortschritt des Wachstums zu erkennen ist.
Auf zum Kranzbinden
Wer bei einem Winterspaziergang etwas Geduld und Zeit mitbringt, kann mit den Kindern praktisch im Vorübergehen noch etwas basteln. Es sind bestimmt einige Ranken vom Knöterich, Hopfen oder Efeu aufzutreiben. Durch ein einfaches Zusammenbiegen und immer wieder Durchstecken der Ranken kann man mit den Kindern einen Kranz binden.Dieser Kranz ist gleich ein Geschenk. Hübsch dekoriert überbietet er an Freude jede gekaufte Dekoration.
Die Erwachsenen sollten sich für die Kinder im Winter noch mehr Zeit nehmen als im Sommer. Die Freude, die man dabei selbst erlebt, überwiegt allemal ein paar kalte Füße oder Hände.
Heinrich Leumer
Stand:01.01.2002






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