Rückblick:
4. Deutscher Gartenfachberatertag
![]() 400 Funktionsträger der Kleingärtner- und Siedlerorganisationen hatten sich am 2. Juli in Dresden-Pillnitz eingefunden, um am 4. Deutschen Gartenfachberater-Tag teilzunehmen |
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In wahrlich herrschaftlichem Ambiente fand der 4. Deutsche Gartenfachberater-Tag statt: Die Schlossanlage in Dresden-Pillnitz bildete den Rahmen für die diesjährige Veranstaltung, an der rund 400 engagierte Funktionsträger der Kleingärtner- und Siedlerorganisationenaus der ganzen Bundesrepublik teilnahmen.
„Erlebniswelt Gemüsegarten. Vergessenes und neues Gemüse erfolgreich anbauen, ernten und zubereiten“, so lautete das Motto für die Fachtagung am 2. Juli 2005. DieVeranstalter waren – wie in den vergangenen Jahren – die Verlag W.Wächter GmbH, Bremen, und die Firma Bruno Nebelung Kiepenkerl-Pflanzenzüchtung, Everswinkel, im Folgenden kurz Kiepenkerlgenannt. Mit großem Engagement war außerdem als Mitveranstalter die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) an der Veranstaltung beteiligt. Die Schirmherrschaft hatte wieder der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) übernommen.
Hochrangige Redner eröffneten die Veranstaltung
Pünktlich fanden sich die Gartenfreundinnen und Gartenfreunde zur Eröffnung der Veranstaltung in der Orangerie ein. Ein buntes Gemüsearrangement zierte die Bühne – das Team der HTW zeigte sich auch hier sehr kreativ.
Oliver Wächter, Mitglied der Geschäftsführung der Verlag W. Wächter GmbH, eröffnete den Reigen der Begrüßungsredner. Er wies auf die Bedeutung einer gesunden Ernährung hin. Ein eigener Garten biete die Möglichkeit, Obst undGemüse zu ernten, das weniger mit Pflanzenschutzmitteln behandelt sei als viele Angebote aus dem Supermarkt. Sein Dank galt insbesondere demTeam der HTW, der Firma Kiepenkerl sowie allen Firmen, die alsSponsoren an der Veranstaltung beteiligt waren.
Weitere Grußworte sprachen Nico Volmary von Kiepenkerl und als besonderer Gast aus der Politik Stanislaw Tillich, Staatsminister für Umwelt- und Landwirtschaft des Freistaates Sachsen. Zudem hießen Professor Dr. Hannes Neumann, Rektor der HTW, Jürgen Sheldon, Präsidiumsmitglied Fachberatung des BDG, und Professor Dr. Fritz-Gerald Schröder,Studiendekan für den Studiengang Gartenbau am FachbereichLandbau/Landespflege der HTW, die Teilnehmer aus nah und fern herzlich willkommen. Professor Schröder hatte auch die Moderation der Veranstaltung übernommen.
Gesund essen
„Gesunde Ernährung mit Saisongemüse“, so lautete das Thema, über das Bettina Wegener von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) referierte. Sie stellte die zehn Regeln der DGE für eine vollwertige Ernährung vor: z.B. vielseitig essen, reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln, täglich Milchprodukte, wenig Fett, Zucker und Salz, viel Flüssigkeit, Lebensmittel schonend zubereiten, sich Zeit fürs Essen nehmen und in Bewegung bleiben.
Zum Thema Obst und Gemüse verwies Sie auf die Kampagne „5 am Tag“ der DGE: Genießen Sie fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, möglichst frisch, nur kurz gegart, oder auch eine Portion als Saft – idealerweise zu jeder Hauptmahlzeit und auch als Zwischenmahlzeit: Damit werden Sie reichlich mit Vitaminen, Mineralstoffen sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen (z.B. Carotinoiden, Flavonoiden) versorgt.
Kulturpflanzen erhalten
Über die „Kulturpflanzenvielfalt und deren Erhaltung“ informierte Dr. Monika Höfer von der Bundesanstalt für Züchtungsforschung (BAZ) die Gartenfreunde. Sie wies darauf hin, dass die moderne Landwirtschaft die Dominanz einiger weniger Kulturarten fördere. So sei z.B. der Streuobstanbau erheblich zurückgegangen, und die Essgewohnheiten hätten sich verändert.
In den vergangenen 20 Jahren habe sich das Bewusstsein aber wieder gewandelt, und die „alten“ Sorten seien wieder ins Blickfeld gerückt. Wichtige Einrichtungen zum Erhalt der Kulturpflanzenvielfalt seien die so genannten Genbanken, in denen die Samen dieser Arten und Sorten mit Hilfe verschiedener Methoden dauerhaft gelagert werden.
Knollenfenchel, Schwarzwurzel und Topinambur
Um das Thema „Nicht alltägliche Gemüsearten“ ging es im Referat von Dr. Helga Buchter-Weisbrodt. Sie stellte einige Arten vor, die sie in drei Kategorien einteilte: 1) ertragreich und pflegeleicht, 2) ertragreich und arbeitsintensiv, 3) ertragsarm und pflegeleicht.
In die erste Kategorie gehöre z.B. der Knollen- oder Gemüsefenchel, der nicht nur als Schongemüse sehr gut verwendbar sei, sondern auch – wie alle Doldenblütler – eine ideale Nützlingsweide sei. Außerdem plädierte sie dafür, nicht Zierkürbisse im Garten anzubauen, sondern zierende Speisekürbisse (auch erste Kategorie), von denen einige Sorten sehr delikat seien.
Zur zweiten Kategorie zählen z.B. Zuckererbsen, Pastinaken oder Schwarzwurzeln. Letztere seien z.B. sehr ertragreich und winterhart, das Schälen der Stangen sei aber sehr aufwändig. Als Beispiele für die dritte Kategorie nannte sie u.a. Bärlauch, Guter Heinrich und Topinambur. Topinambur sei allerdings sehr ausbreitungsfreudig und erreiche eine Größe von 2 bis 3 m, sodass der Platz im Garten gut überlegt sein sollte.
Folien und Vliese
Über das Thema „Kulturen schützen und verfrühen – mit Folien, Frühbeeten und Gewächshäusern“ referierte Dr. Hermann Laber von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Zunächst erläuterte er, dass Vliese und Netze einen wirksamen Schutz vor Frost sowie vor tierischen Schaderregern bieten können.
Als Schutz vor Insekten empfahl er eine Maschenweite der Netze von 1,4 bis 1,5 mm. Zwar könnten einige Kohlerdflöhe oder Minierfliegen da noch hindurchschlüpfen, aber eine engere Maschenweite führe zu einer schlechteren Durchlüftung der Kulturen. Des Weiteren ging er auf den Gewächshauseffekt von Vliesen ein, durch den es möglich sei, Kulturen zu verfrühen.
Zum Schluss gab er noch einige Tipps, hier eine kleine Auswahl: Legen Sie Folien oder Vliese bereits vor der Aussaat oder Pflanzung (im Februar) auf den Boden, damit er sich erwärmt. Haben Sie eine Doppelabdeckung (Vlies unten, Lochfolie oben) direkt nach der Aussaat oder Pflanzung vorgenommen, nehmen Sie die Folie im März/April ab. Generell sollte die Temperatur unter Folien nicht über 30 °C steigen.
Das Vlies kann länger verbleiben, evtl. sogar bis zur Ernte. Für den Zeitraum der Blüte bestimmter Kulturen, z.B. Erdbeeren, sollten Sie es jedoch abnehmen, um eine Bestäubung durch Insekten zu ermöglichen.
Ein Gemüsebeet besonderer Art
Pünktlich zur Besichtigung der Versuchsflächen am Nachmittag lockerte die Wolkendecke auf. Zunächst zeigte Dr. Hermann Laber von der LfL den Gästen ein Testfeld zur Festigkeit verschiedener Kohlsorten. Dann ging es weiter zur Hauptattraktion des Nachmittags: ein Gemüsebeet, gänzlich bestückt mit besonderen Gemüsesorten von Kiepenkerl.
Neben alten, „vergessenen“ Arten wie Stielmus, Pastinaken, Schwarzwurzeln, alten Möhrensorten etc. konnten sich die Fachberater auch über resistente Sorten, Kräuter, sekundäre Pflanzenstoffe und vieles mehr informieren. Raimund Schnecking von Kiepenkerl sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der HTW standen den Gästen Rede und Antwort. Und wen wundert ´s: Da wurde ausgebuddelt, probiert, geprüft, diskutiert, fotografiert – Gartenfreunde in ihrem Element.
Wer sich von der Faszination des Gemüsebeetes losreißen konnte, der hatte noch Gelegenheit, sich eine Vielzahl an Beet- und Balkonpflanzen oder Bodendecker (auch Rosen) anzuschauen sowie sich über die berühmten Pillnitzer Obstsorten oder über Wildtomaten zu informieren.
Führung durch den Schlosspark und stimmungsvolles Konzert
Trotz des bereits recht anstrengenden Programms nutzten viele Gäste die Gelegenheit, an einer Führung durch den Schlosspark mit all seinen Besonderheiten teilzunehmen: die über 200 Jahre alte Kamelie, der Englische Garten, die Heckenquartiere (Charmillen), die Schaluppe von Kurfürst „August dem Starken“ (*1670, +1733), der barocke Schlossgarten mit den in chinesischem Stil gehaltenen Palästen, die Fliederbäume ... Dann endlich nur noch sitzen und genießen: Vor dem Bergpalais erfreute das Bläserkollegium Dresden unter der Leitung von Professor Günter Schwarze die Besucher mit Werken aus verschiedenen Jahrhunderten. Der Kanon „Dona nobis pacem“ animierte viele Gartenfreunde zum Mitsingen und bildete einen schönen Abschluss dieses stimmungsvollen Konzertes.
Ausgelassene Heiterkeit mit „August dem Starken“
Wer die Abendveranstaltung mitgebucht hatte, konnte ein „königliches“Programm miterleben. Zunächst hatten die Veranstalter für ein reichhaltiges, sehr schmackhaftes Buffet gesorgt.
Als der größte Hunger gestillt war, faszinierte „August der Starke“ (alias Klaus-Dietmar Matthes) die Gäste durch sein großes Wissen zu den Besonderheiten der Städte, aus denen die Teilnehmer kamen. Mit seiner witzigen, teils auch etwas derben Art sorgte er für großes Amüsement bei der Abendgesellschaft.
Dazu gab es fröhliche Musikantinnen,einen Feuerschlucker und einen beeindruckenden Auftritt mit echten Riesenschlangen. Somit bildete die Abendveranstaltung einen krönenden Abschluss für den 4. Deutschen Gartenfachberater-Tag.
Christiane Breder,
Redaktion Verlag W. Wächter GmbH, Bremen
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Stand:01.08.2005






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