Kleingartenwesen Tafelgärten in Leipziger Kleingartenanlagen

Tafelgärten in Leipziger Kleingartenanlagen - ein Projekt mit Zukunft?

Foto: Stadtverband Leipzig der Kleingärtner 
Jetzt kann es losgehen: symbolischer erster Spatenstich für das Leipziger Tafelgarten-Projekt

Viele lobende Worte zum Tafelgartenprojekt und zu den Ergebnissen gab es auf einer Erntedankfeier, zu der die Leipziger Tafel e.V. am 26. Oktober 2007 die Kooperationspartner und Akteure des Projektes eingeladen hatte.

Doch auch kritische Bemerkun­gen waren zu hören. Der für das Klein­gartenwesen in Leipzig zu­stän­dige Bürgermeister und Beigeordnete Heiko Rosenthal brachte es in seinen Dankesworten auf den Punkt: Es müsse doch nachdenklich stimmen, dass in dem rei­chen Deutschland überhaupt ein solches Projekt vonnöten sei, um zumindest für ei­nen Teil der großen Anzahl Bedürf­tiger die Not lin­dern zu können.

Beitrag zur Beseitigung gesellschaftlicher Missstände?
In der Tat, man sollte bei allen Er­folgen von Tafelgartenprojekten, die es inzwischen nicht nur in Mag­deburg und Leipzig, sondern zuneh­mend auch in anderen Städten in Deutschland gibt, nicht den kritischen Blick für soziale Schieflagen in unserer Gesellschaft verlieren, die ein solches Projekt erst als dringend notwendig erscheinen lassen.

Seinem sozialen, gemeinwohl-orientierten Charakter entsprechend hat das Kleingartenwesen von Anfang an dazu beigetragen, gesellschaftliche Defizite mit ihren negativen Auswirkungen auf unzäh­lige Menschen zu mildern. Mit den Tafelgartenprojekten stehen wir zu unseren Traditionen und sollten diese soziale Orientierung auch immer wieder den noch zögernden Kleingärtnerverbänden und -verei­nen, aber auch der Öffentlichkeit bewusst machen. Ob wir damit je­doch einen Beitrag leisten, gesellschaftliche Missstände zu beseiti­gen, darf zu Recht bezweifelt wer­den.

Aller Anfang ist schwer ...
Das Tafelgartenjahr 2007 ist Vergangenheit. Wie ist es gelaufen, was hat es gebracht, und wie geht es 2008 weiter? Wie bei jedem größeren Vorhaben, mussten zu Beginn Unklarheiten beseitigt und Schwierigkeiten bewältigt werden. Es galt, Kleingärtnervereine, die größere Leerstände an Gärten in ihren Anlagen haben, für die Teilnahme zu gewinnen.

Dem Wunsch der Vereine, von den Kosten, die auf den als Ta­felgär­ten zur Verfügung gestellten Parzel­len liegen, befreit zu werden, konn­te zwar nicht entsprochen werden. Jedoch wurde mit der „Urbarmachung“ der oftmals „verlotterten“ Parzellen und ihrer Nutzung als Tafelgärten nicht nur das Gesamtbild der Kleingartenanlage verbes­sert, sondern auch das Ansehen des Vereins in der Öffentlichkeit gestärkt.

Vereine zeigen großes Engagement
Es bestand von vornherein Klarheit darin, dass das Tafelgartenprojekt in einer größeren Dimension nur partnerschaftlich erfolgreich durchgeführt werden kann. Deshalb gaben die Vereine vielfältige konkrete Unterstützungen vor Ort, wie z.B. die Ausleihe von Arbeitsgeräten, die Bereitstellung von beheizbaren Aufenthalts- und Sanitärräumen für die beteiligten ABM-Kräfte, ihre Integration in die Vereinsgemeinschaft, die gartenfachliche Beratung u.a.m. (ABM = Arbeitsbeschaffungsmaßnahme)

Die Kooperationspartner
Folgende Partner zur Realisierung des Projektes hatten sich zusammengefunden: der Stadtverband der Kleingärtner mit seinen beteiligten Kleingärtnervereinen, Arbeit und Leben BWZ GmbH als Träger der für das Projekt erforderlichen ABM, die seit zehn Jahren bestehende Leipziger Tafel e.V. als Abnehmer und Verteiler der Ernteprodukte an Bedürftige und die ARGE (Arbeitsagentur) als Fördermittelgeber für die dort beantragte ABM.

Eine zwischen dem Maßnahmeträger und dem Stadtverband getroffene Vereinbarung diente als Grundlage für die Beantragung der ABM bei der ARGE. Die in der Vereinbarung aufgelisteten Tätigkeitsmerkmale für die ABM mussten so gehalten werden, dass kei­ne Benachteiligung gewerblicher Unternehmen entstehen konnte. Sonst wäre die ABM nicht genehmigungsfähig gewesen.

Der anfängliche Optimismus der Kooperationspartner wurde dadurch gedämpft, dass die bereits 2006 beantragte ABM nach länge­rer Wartezeit nur teilweise genehmigt wurde. Das führte auch zu Enttäuschungen bei einer Reihe von Kleingärtnervereinen, für die wegen der Kürzung der beantragten Geldmittel keine ABM-Teilnehmer zur Verfügung standen.


Foto: Stadtverband Leipzig der KG 
Die ersten Kulturen gedeihen, und erzielt wird eine ...
Foto: Dreilich 
... reiche Ernte, die an die Leipziger Tafel abgegeben wird

18 Kleingärtnervereine beteiligt
Nach längerer Vorbereitungszeit, die auch die Schulung und Ein­weisung der ABM-Teilnehmer umfasste, erfolgte am 2. April 2007 im Beisein von Medienvertretern der symbolische erste Spaten-stich in der Leipziger Kleingar-tenanlage „Kultur“. Am Projekt beteiligten sich 18 Kleingärtnervereine, aufgegliedert in Einzelprojekte.

Ein Einzelprojekt umfasste sieben Arbeitskräfte und einen Ko­or­dinator. Bearbeitet wurden 79 Par­zellen mit insgesamt 16.310 m² Kleingartenfläche. Zum Gesamtprojekt gehörten noch ein Fachberater, eine Verwaltungskraft sowie der Projektleiter des Maßnahmeträgers.

Reiche Ernte für die Leipziger Tafel
Das Ernteergebnis konnte sich sehen lassen. Es wurden über 4,6 t Äpfel, weitere 2,2 t unterschiedliche Obstarten, 3,7 t Kartof­feln, 3,5 t Tomaten, ca. 7000 Kohl­rabi, mehr als 5000 Salatköpfe, 2000 Stück Blumenkohl sowie diverse Kräuter erntefrisch an die Leipziger Tafel zur Verteilung an Bedürftige gegeben.

Stärkung des Selbstwertgefühls
Nicht übersehen werden darf die das Selbstbewusstsein stärkende Funktion des Projektes. Die 42 Langzeitarbeitslosen und Sozialgeldempfänger, die an der Maß­nahme teilnahmen, verrichteten ihre Tätigkeit in den Tafelgärten engagiert und gewissenhaft.

Sie konnten direkt nachvollziehen, dass durch ihrer eigenen Hände Arbeit anderen Menschen geholfen wird. Das steigerte ihr Selbstwertgefühl. Die Tätigkeit in diesem Projekt gibt gerade Langzeitarbeitslosen das Gefühl, endlich wieder gebraucht zu werden.

Fazit
Die erste für zwölf Monate genehmigte Leipziger Tafelgarten-ABM ist zu Ende. Dass sie erfolgreich war, ist das Verdienst aller Partner und Teilnehmer. Auch für die Wintermonate war ein genehmigungsfähiges Tätigkeitsprofil der ABM-Teilnehmer erstellt worden.

Ob das Tafelgartenprojekt im Jahr 2008 fortgesetzt oder gar, entsprechend der gestiegenen Nach­frage, erweitert werden kann, hängt letzten Endes von der Genehmigung beantragter ABM ab. Wir sind optimistisch.

Doch sind Tafelgärten wirklich ein Projekt mit Zukunft? Die Antwort darauf wird gewiss unterschiedlich ausfallen. Eines kann gesagt werden: Für die Gegenwart steht es den Kleingärtnerverbänden und -vereinen gut zu Gesicht, ein solches Projekt gemeinsam mit Partnern in Angriff zu nehmen. Es gibt dafür Bedarf, und das Projekt „Tafelgärten“ trägt dazu bei, die Kleingärtnergemeinschaft und ihr Ansehen in der Öffentlichkeit zu festigen.

Bernd Weiner,
Vorsitzender des
Stadtverbandes Leipzig
der Kleingärtner e.V.


Stand:01.03.2008


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