Kleingarten: Vom „Armengarten“ zur „grünen Lunge Berlins“
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Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. (Hrsg.): "Kleine Gärten einer großen Stadt".
207 Seiten. Zahlreiche Abbildungen.
Preis 17,00 Euro (zzgl. Versandkosten).
Verlag W. Wächter, Bremen.
ISBN 978-3-9811704-0-5.
Kaiserin Auguste Victoria, die Gattin des letzten deutschen Kaisers, und natürlich Daniel Gottlob Moritz Schreber, Pädagoge aus Leipzig, sind zentrale Figuren der Kleingartenbewegung, auch für Berlin. Berlin ohne Kleingartenanlagen - das ist nicht vorstellbar. Und so hat der Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V. die ganze Entwicklung rund um das Berliner Kleingartenwesen aufbereitet im gut 200 Seiten starken Buch "Kleine Gärten einer großen Stadt".
Viele Autoren, geschichtlich, juristisch und gartenkulturell bewandert, haben die Kleingarten-Entwicklung vom "Armengarten" vor anderthalb Jahrhunderten bis zur "grünen Lunge Berlins" heutiger Zeit zusammengestellt. Angefangen hat alles mit reinem Kartoffelland zum Überleben für kinderreiche Familien, später wurden Kleingärten Armenbehausungen, Mittelstands-Wohlfahrtsgärten und Lebensräume wohnungsloser Kriegsgeschädigter.
Heute - auch das zeigt das Buch eindrucksvoll auf - sind Kleingartenanlagen nicht nur Sauerstofflieferanten inmitten urbaner, versiegelter Stadtflächen, sie sind auch Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere, die im Stadtgebiet sonst keinen Lebensraum mehr fänden. Und natürlich sind Kleingartenanlagen in Berlin unverzichtbare Naherholungsgebiete für die gesamte Stadtbevölkerung und Veranstaltungsplatz für manchen Gartenlauf und viele Feste.
Nebenbei erfährt der Leser in "Kleine Gärten einer großen Stadt" auch viel von deutscher Geschichte, lässt sich doch die Kleingartenentwicklung nicht von der Stadtentwicklung abkoppeln. Häufig wird sie nur als Vertreibungspolitik beschrieben (Architekten und Hochbauer brauchen das Land, Kleingärten müssen weichen), hier schildern die Autoren, wie sehr sich viele Adelige und Stadtoberen für die Entwicklung von Kleingartenanlagen einsetzten. Die schlechten Lebensbedingungen in den städtischen Mietskasernen vor Augen, wollten sie durch diese Ausweichflächen im Grünen gezielt Abhilfe schaffen und die Ernährungslage sichern.
Hier begegnet der Leser der Person und dem Wirken James Hobrechts, der als Baumeister im Auftrag des Ministeriums die grundlegende und heute noch gültige Bebauungsordnung Berlins schuf. Auch Kaiserin Auguste Victoria lernt der Leser nicht nur als Gattin des letzten deutschen Kaisers kennen, sondern als Patronatsdame und Förderin der Rot-Kreuz-Kleingärten. Abbé Jules-Auguste Lemire wird als Begründer der internationalen Kleingärtnerorganisation vorgestellt und als prägender Mentor von Alwin Bielefeldt, der sich wie kein anderer für die Kleingartenbewegung Berlins einsetzte.
Das Buch ist daher nicht nur wertvoller Lesestoff für alle Berliner und Nichtberliner Gartenfreunde. Es ist auch ein lesenswertes Geschichtsdokument für Historiker, Stadtplaner und Landschaftsplaner, belegt es doch eindrucksvoll die Wurzeln der Kleingartenbewegung, die Entwicklung über gut 150 Jahre hinweg bis heute, die aktuellen stadtplanerischen Konflikte und die immer noch aktuelle Notwendigkeit dieser grünen Oasen.
Stand:01.08.2007






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